Und alle so: Yeah!

aus: BILD.de

Sie tauchen aus dem Nichts auf, schwenken Plakate oder stören Politikerreden mit Dauerapplaus oder „Yeah“-Rufen. So laufen Flashmob-Aktionen ab, die den Bundestagswahlkampf aufmischen! Besonders der „Und alle so: YEAH“-Flashmob wird immer beliebter.

Vor allem Jugendliche verabreden sich über das Internet oder Mobiltelefon zu den Blitzaktionen. Doch: Protestforscher halten den Einfluss der Flashmobs für begrenzt.

Der Bewegung scheint das egal zu sein: Kanzlerin Angela Merkel etwa brauchte starke Nerven, als sie kürzlich in Hamburg Wahlkampf machte. „Meine Damen und Herren“, setzte die CDU-Chefin an, nur um von einem lautstarken „Yeah“ aus dem Publikum unterbrochen zu werden. Und so ging es weiter. Egal, welches Thema sie anschnitt, das Publikum kommentierte „Yeah“ und zwar so oft und so laut, dass von der Merkel-Rede letztlich nur noch ein paar Wortfetzen übrig blieben.

Die Flashmobs werden immer mehr: Während die Spontis der 70er- und 80er-Jahre noch Telefonketten in Gang setzen und Flyer drucken mussten, genügt heute ein Eintrag auf „Twitter“ oder ein Mausklick, um Zehntausende über eine Aktion oder Demonstration zu informieren.

Beispiel: Der Verein „Campact“, der unter anderem für den Atomausstieg kämpft, hat etwa 140 000 Sympathisanten im Verteiler.

Doch nicht immer handelt es sich bei Flashmobs, die vor einigen Jahren aus den USA nach Europa gekommen sind, um Störaktionen. Beim „Radioballett“ zum Beispiel verabredeten sich vor einiger Zeit Aktivisten im Hamburger Bahnhof über einen Radiosender. Sie formten stumm eine offene Hand wie ein Bettler – um gegen ein Bettelverbot zu demonstrieren.

Und das Bundesarbeitsgericht (BAG) musste sich gerade mit einer Aktion der Gewerkschaft Verdi auseinandersetzen, die Anhänger per SMS aufgefordert hatte, in bestreikten Einzelhandelsfilialen, in denen Streikbrecher arbeiteten, einkaufen zu gehen. Eine Aktion die rechtlich in Ordnung ist, entschieden die Richter.

„Campact“-Sprecher Christoph Bautz ist begeistert. „Auch wer viel um die Ohren hat, Familie hat oder tief im Job steckt, kann sich hier einsetzen“, sagt er. Die Hemmschwelle, sich zu engagieren, sei niedriger als in Parteien, wo man sich durch lange Sitzungen quälen müsse.

Der Protestforscher Dieter Rucht hält den Einfluss von Flashmobs auf die Politik allerdings für gering. „Bislang gibt es nur relativ wenige solcher Aktionen“, sagt er. Zwar sei es möglich, binnen kürzester Zeit viele Menschen über eine Aktion zu informieren. Doch die die Zahl solcher Aufrufe im Internet nehme stetig zu, so dass längst nicht mehr jeder Appell auch wirklich gelesen werde.

Das Video des Hamburger Merkel-Auftritts ist aber ein Klick-Bringer: 300 000 Mal wurde es auf „Youtube“ schon gesehen…

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